Gewinde und Bohrungen an beigestellten Rohteilen
Worauf es ankommt, wenn Bohrungen und Gewinde in ein Gussauge, neben eine Schweißnaht oder auf eine raue Rohfläche kommen.
Werden Bohr- und Gewindearbeiten in Lohnfertigung an beigestellten Teilen vergeben, hängt das Ergebnis an Dingen, die schon vor dem ersten Schnitt feststehen: wo das Material wirklich sitzt, was in ihm steckt und wie die Fläche aussieht, auf der der Bohrer ansetzt. Guss- und Schweißteile stehen hier als Beispiele – ob wir Ihre Rohteile annehmen, klären wir je Anfrage.
Bohrungen und Gewinde in Gussaugen
Ein Auge ist eine gegossene Verdickung, in die später eine Bohrung oder ein Gewinde kommt. Zwei Angaben der Rohteilzeichnung bestimmen, ob das gut geht: der Durchmesser des Auges und seine zulässige Lageabweichung. Gebohrt wird nach der Fertigteilzeichnung, nicht nach dem Auge – weicht das Auge ab, rückt die Bohrung aus seiner Mitte.
Wie viel Rand im schlechtesten Fall bleibt, ist schnell gerechnet: halber Augendurchmesser minus halber Bohrungsdurchmesser minus Lageabweichung. Ein Auge mit 16 mm Durchmesser für ein Gewinde M6 behält bei 1,5 mm Lageabweichung (16 − 6) / 2 − 1,5 = 3,5 mm Rand. Ob das reicht, entscheidet Ihre Konstruktion; die Werte gehören mit in die Anfrage.
Augen sind Materialanhäufungen. Nach der Regel von Chvorinov wächst die Erstarrungszeit eines Querschnitts mit dem Quadrat seines Verhältnisses von Volumen zu Oberfläche; dicke Stellen erstarren zuletzt und neigen zu Schwindungslunkern, die sich oft erst beim Bohren zeigen. Wie wir mit angeschnittenen Poren umgehen und welche Mehrmenge sinnvoll ist, regelt das Angebot.
Ist die Oberseite des Auges rau oder schräg, wird sie vorher plan gesenkt oder plangefräst, damit Schraubenkopf oder Gegenstück eben aufliegen.
Bohrungen nahe an Schweißnähten
Neben einer Kehlnaht steht Material über die Fläche, und der Bereich um die Naht hat sich beim Schweißen verzogen. Beides verschiebt, was dort gebohrt werden kann: Schraubenkopf und Unterlegscheibe brauchen eine ebene Auflage, die nicht auf der Naht endet.
Den Platzbedarf der Naht liefert ihr a-Maß. Bei einer gleichschenkligen Kehlnaht ist die Schenkellänge z = a · √2; eine Naht mit a = 4 mm reicht also rund 5,7 mm auf die Fläche. Soll daneben eine Schraube M6 mit Unterlegscheibe nach ISO 7089 sitzen, Außendurchmesser 12 mm, liegt die Bohrungsmitte mindestens 5,7 + 6 = 11,7 mm vom stehenden Blech entfernt, zuzüglich der Lageabweichung der Naht.
Geben Sie auf der Rohteilzeichnung deshalb den Abstand der Bohrung zur Naht an und den Bezug, von dem aus beides bemaßt ist. Wie viel Nahtüberhöhung zulässig ist, legt die Bewertungsgruppe nach ISO 5817 für Stahl bzw. ISO 10042 für Aluminium fest.
Anbohren auf Rohflächen
Setzt ein Spiralbohrer auf einer schrägen oder rauen Fläche an, greift zuerst nur eine Schneide. Die Schnittkräfte sind dann ungleich verteilt, der Bohrer wird seitlich abgedrängt, und die Bohrung verläuft. Typische Stellen sind Formschrägen an Guss- und Schmiedeteilen und die gewölbte Oberseite einer Naht.
Abhilfe schafft ein kurzer Zwischenschritt: die Stelle erst plansenken oder planfräsen, dann anbohren und bohren. Die ebene Ansatzfläche dient danach zugleich als Auflage für Schraubenkopf oder Gegenstück.
Bei Sacklöchern im Auge kommt eine zweite Frage dazu: Unter dem Gewinde muss nach der Bohrtiefe noch Material stehen. Bohrtiefe und Wandstärke am Augengrund entnehmen wir der Rohteilzeichnung; fehlen sie dort, gehören sie in die Anfrage.
Gewindeangaben selbst – Bezeichnung, Toleranzklasse, nutzbare Gewindetiefe – gehören auf die Fertigteilzeichnung. Am Rohteil zählt, ob unter dem Gewinde genug gesundes Material steht.
Stand: 26.09.2026
Bohrbild am Rohteil? Schicken Sie beide Zeichnungen.
Mit Fertigteil- und Rohteilzeichnung sehen wir, wo Augen, Nähte und Rohflächen liegen. Sie bekommen Rückfragen oder ein Angebot, in dem auch Mehrmenge und Rohteilfehler geregelt sind.